Wer im München des 19. Jahrhunderts von adeligen Damen sprach, dachte wohl kaum an Forscherinnen, Zoologinnen oder Ethnologinnen. Doch Prinzessin Therese von Bayern (1850–1925), Tochter von Prinzregent Luitpold, war all das – und mehr. Sie war eine der gebildetsten Frauen ihrer Epoche, eine leidenschaftliche Weltreisende und Pionierin, die sich ihren Platz in einer von Männern dominierten Wissenschaftswelt erkämpfte.
Geboren in der Münchner Residenz, wuchs Therese in einer Atmosphäre aus Kunst, Naturwissenschaft und Politik auf. Früh zeigte sich ihr Wissensdrang, den sie trotz der damaligen gesellschaftlichen Schranken konsequent verfolgte. Sie durfte zwar nicht offiziell studieren, erhielt aber Privatunterricht bei namhaften Professoren der Ludwig-Maximilians-Universität. Später wurde sie – als erste Frau überhaupt – zum Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt.
Von München aus brach Therese zu Forschungsreisen nach Nordafrika, Südamerika und in die Iberische Halbinsel auf. Sie sammelte Pflanzen, Tiere und ethnologische Objekte, die sie später der Münchner Öffentlichkeit zugänglich machte. Ihre bedeutenden ethnologischen Sammlungen sind heute im Museum Fünf Kontinente zu sehen. Den gesamten zoologischen Nachlass vermachte sie 1926 per Testament der Zoologischen Staatssammlung München.
Ihr Wohnsitz in der Münchner Brienner Straße war ein Treffpunkt für Gelehrte, Künstler und Reisende. Sie selbst blieb unverheiratet – eine bewusste Entscheidung, um ihre Freiheit zu bewahren. Als Prinzessin und Forscherin zugleich verband Therese von Bayern die Welt des Hofes mit der der Wissenschaft und wurde so zu einer Symbolfigur für weibliche Selbstbestimmung in einer Zeit, die dafür kaum Raum ließ. Therese von Bayern war nicht nur Tochter des Prinzregenten, sondern eine Frau, die Grenzen überschritt und ihrer Stadt ein weltoffenes Erbe hinterließ.
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